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Über die Neustiftung

Sehr geehrte Eltern, liebe Schülerinnen und Schüler, sehr geehrte ehemalige Schülerinnen und Schüler, liebe Kolleginnen und Kollegen, sehr geehrte Freunde und Förderer der Schule!

Zu den Traditionen, auf die wir uns in unserer Schule in besonderer Weise besinnen, gehört die Tatsache, dass wir ein Stiftisches Gymnasium sind, also unsere Entstehung im 19. Jahrhundert verschiedenen Stiftungen Gladbacher Bürger verdanken. Diesen war die humanistische Bildung so wichtig, dass sie sich dafür auch finanziell engagierten.

An diese Tradition haben wir 2014 im Jahr des 150-jährigen Jubiläums unserer Schule angeknüpft und die Neustiftung Stiftisches Humanistisches Gymnasium ins Leben gerufen.

Ziel dieser Stiftung ist es, in jedem Jahr aus den Erträgen des zusammengetragenen Stiftungsvermögens einen Förderpreis in Höhe von 2000,- EURO für Schülerinnen und Schüler, aber auch ehemalige Schülerinnen und Schüler (bis zum 25. Lebensjahr) unserer Schule auszuloben, denen es in ihren Arbeiten bzw. Aktionen gelingt, in besonderer Weise den humanistischen Leitgedanken und dem Prinzip Verantwortung von Hans Jonas, unserem bedeutendsten Schüler, gerecht zu werden. Wir knüpfen damit nicht nur an eine wichtige Tradition unserer Schule an, sondern möchten durch die Stiftung und den damit verbundenen Förderpreis unseren aktuellen Schülerinnen und Schülern verstärkt deutlich machen, wie wichtig die Werte des Humanismus und verantwortliches Handeln gerade in der heutigen Zeit sind.

Wir freuen uns natürlich sehr darüber, dass es uns durch die Neugründung der Stiftung gelungen ist, ein so ambitioniertes Projekt zu verwirklichen, das es ermöglicht, den Stiftungspreis in jedem Jahr zu vergeben und damit den Schülerinnen und Schülern einen besonderen Anreiz zu bieten, sich mit den humanistischen Leitideen unserer Schule auseinanderzusetzen.

Vielleicht können Sie uns dabei helfen und unsere Stiftung durch eine Zahlung auf das Stiftungskonto unterstützen.

Neustiftung Stiftisches Humanistisches Gymnasium
IBAN DE31310601810096655010
BIC GENODED1GBM
Konto-Nr. 96655010
Gladbacher Bank

Die Stiftung ist mit Feststellungsbescheid des Finanzamtes Mönchengladbach als gemeinnützig anerkannt. Somit sind wir in der Lage, Ihnen eine Zuwendungsbescheinigung auszustellen, die zum Abzug bei Ihrer Einkommensteuererklärung berechtigt.

Im Voraus schon vielen Dank für Ihre mögliche Unterstützung unserer Neustiftung Stiftisches Humanistisches Gymnasium.

Thomas Hollkott – Schulleiter

Preisverleihung 2018

 

Im Rahmen einer beeindruckenden Veranstaltung wurde der ehemaligen Huma-Schülerin Paula Sasse der Preis der Huma Neustiftung verliehen. Nach einer Begrüßung durch den Schulleiter und einem Grußwort des Bürgermeisters Michael Schroeren, in dem er die Verbindung der humanistischen Tradition mit dem Fortschrittsgedanken des Stiftischen Humanistischen Gymnasiums lobend herausstellte, entwickelte Kuratoriumsmitglied und Stiftungsmitbegründer Hanspeter Stapper die Genese der Stiftung und ihren Anspruch, die Werte, für die die Schule steht, in den Vordergrund zu rücken und damit wichtige Zeichen zu setzen für Verständigung und Toleranz, gerade in schwierigen Zeiten.

In der anschließenden Laudatio würdigte Michael Bergemann das vorbildliche und vielfältige Engagement von Paula Sasse. Paula hat in Ghana im Rahmen eines Freiwilligendienstes an einer integrativen Schule gearbeitet, wo sie Freizeitaktivitäten für behinderte Kinder organisierte, Unterricht plante und durchführte und durch aktives und lebendiges Teilhaben am Schulleben vielen Kindern Freude bereitete. prägte das Schulleben aktiv mit, indem sie sich als Peer engagierte, das Abiturbuch herausgab und eine Rede vor dem französischen Konsul und der gesamten Oberstufe anlässlich des Charlie Hebdo Attentats hielt. Weiterhin nahm Paula mit zwei weiteren Mitschülern am Schülerwettbewerb Deutsche Geschichte um den Preis des Bundespräsidenten teil. Dort gewannen sie einen hervorragenden Landespreis. Damit hat Paula zur weiteren Etablierung des Wettbewerbs an unserer Schule beigetragen und zugleich einen wertvollen Beitrag zur Forschung zum Lebenswerk unseres ehemaligen Schülers Theo Hespers geleistet. pflegte und kultivierte ihr ehrenamtliches Engagement durch diverse Maßnahmen für Geflüchtete, die sie durchführte und durch aktive und engagierte Jugendarbeit. Darüber hinaus nahm sie offen und interessiert teil an zahlreichen Jugendbegegnungen, Praktika im kulturellen Bereich auch ihrer Heimatstadt Mönchengladbach und internationalen Camps. So trug sie zu einem lebendigen Miteinander junger Menschen und einem gelingenden Zusammenleben in unserer offenen Gesellschaft bei.

Sichtlich bewegt nahm Paula den Stiftungspreis entgegen und richtete einige Worte des Dankes an ihre alte Schule und die hier erfahrene positive Prägung. Ebenso ermutigte sie die Schülerschaft der Q1 und Q2, mitzugestalten und sich einzubringen, sowohl gesellschaftlich als auch politisch. Umrahmt von großartigen musikalischen Beiträgen und einem abschließenden Sektempfang und Imbiss in der Bibliothek der Schule war die Stiftungspreisverleihung abermals ein denkwürdiges Ereignis, über das noch lange geredet werden wird.

Preisverleihung 2017

 

„Wenn ich tanze, fühle ich mich lebendig. Und ich möchte, dass andere ihre eigene Freude daran entdecken können“, so erklärt Miriam Röder ihre Leidenschaft für Tanz. Und da sie nicht nur Freude in anderen weckt, sondern auch durch ihr außergewöhnliches Engagement und ihrem Esprit der kulturellen und sozialen Verständigung in der Welt einen nachhaltigen Ausdruck verleiht, war sie die diesjährige Nominierte für den Stiftungspreis am HUMA.

Nicht nur kommunal, sondern auch auf (inter)nationaler Ebene bereicherte sie das kulturelle Leben und trägt zur Völkerverständigung bei. Zu nennen sind etliche Projekte von Miriam: ein Tanzprojekt zur Völkerverständigung von und mit Israelis, Palästinensern und Deutschen, ehrenamtliche Projekte an Grundschulen, das crowdgefundete Kindertanztheaterstück Muster in Bewegung (zusammen mit Johanna Schlösser und Julia Ostermair), welches für die nachhaltige Förderung von Kindern und Jugendlichen mit dem Preis Bremer Helden 2017 ausgezeichnet wurde oder ihre Teilnahme und Organisation des Suchtvorbeugungsprojekts „Tanz als Prävention“.

Miriam Röders Biographie ist ein anschauliches Vorbild dafür, was es heißt, sich sowohl vom Humanismus als auch von der Schule prägen zu lassen. Die Philosophen der Spätantike prägten die Formel des Humanismus: bonum est diffusivum sui. Das Gute ist dasjenige, was sich ausbreitet, indem es sich selbst verschenkt. Das heißt für unsere heutige Situation: Wer Teilhabe an dem Guten hat, der ist aus Dankbarkeit dafür moralisch verpflichtet, denjenigen, die normaler Weise davon aus körperlichen, sozialen oder kulturellen Gründen ausgeschlossen sind, diese Teilhabe ebenfalls zu ermöglichen. Und Miriam Röder ist ein wunderbares Beispiel dafür.

Liebe Schülerinnen und Schüler, sehr geehrte Gäste, sehr geschätzte Preisträger der vergangenen Jahre, liebe Miriam!

Wäre dies heute nicht die Verleihung des Förderpreises der Neustiftung, sondern die Verleihung des Oscars, dann dürfte ich nun die Laudatio in der Kategorie „Ehrung des Lebenswerks“ halten, denn Miriam Röder wird heute nicht für eine besondere Einzelleistung geehrt, sondern weil sie durch ihre Biographie ein anschauliches Vorbild dafür ist, was es heißt, sich sowohl vom Humanismus unserer Schule prägen zu lassen, als auch diesen selbst weiter fortzuführen. Und dies möchte ich nun – in der gebotenen Kürze – von Beginn an darstellen.

Liebe Miriam, bereits im Alter von vier Jahren hast Du die Leidenschaft entdeckt, die Dein Leben prägen sollte: Das Tanzen und vor allem das Ballett. Die große Liebe und Hingabe mit der Du Dich dem Tanzen gewidmet hast, gaben Dir Kraft auch in schwierigen Zeiten – geprägt durch den frühen Tod Deines Vaters – und führten zusammen mit viel harter Arbeit schließlich dazu, dass Du mit 16 Jahren als jüngste Teilnehmerin die Aufnahmeprüfung an dem Tanzstudio der Folkwang Universität der Künste bestanden hast, das auf Grund der berühmten Pina Bausch quasi zur Champions League der Tanzausbildung gehört. [Folie 1]

Weil Dir das Huma und die humanistische Bildung bereits ans Herz gewachsen waren, hast Du Dich aber gegen eine schnelle Tanzkarriere und stattdessen dafür entschieden, mit Deinen Fähigkeiten das Schulleben zu bereichern und mitzugestalten.  So hast Du als Peer Tanz und Theater in das Konzept der Suchtprophylaxe eingeführt.

Mit deinen kreativen Ideen zur Choreographie sowie Tanz- und Gesangsbeiträgen hast du mitgeholfen, dass die von David Schrey und Christoph Nagels neu gegründete Musical-AG mit der Aufführung des Stückes Oklahoma! erfolgreich Premiere feierte.

[Folie 2] Dein Engagement überzeugte so sehr, dass Dir ebenfalls die Erstellung der Gesamtchoreographie für das Musical  West Side Story  übertragen wurde.

Während der unzähligen Proben hast Du die nachhaltig prägende Erfahrung gemacht, dass es Dir Freude bereitet andere an Deiner Leidenschaft und Deinem Können teilhaben zu lassen und dass das Musical Schüler verändert: Die Arbeit an einem gemeinsamen Ziel lässt individuelle Unterschiede in den Hintergrund treten und der Zusammenhalt der Gruppe ermöglicht es dem Einzelnen, an den zu bewältigenden Herausforderungen zu wachsen. Es ist dieses familiäre Gemeinschaftsgefühl, das durch die Betreuung des großen Teams um Fulya Turan, Christoph Nagels und Axel Knappmeyer stetig gewachsen ist und für den anhaltenden Erfolg der Muscial-AG und ihre große Akzeptanz in der Schulgemeinschaft maßgeblich verantwortlich ist.

Du hattest die einmalige Gelegenheit zu erfahren, dass das, was im Kleinen für unsere Musical-AG gilt, gleichermaßen in einem großen, internationalen Rahmen funktioniert, als Du – noch als Huma-Schülerin – ausgewählt wurdest, mit israelischen und palästinensischen Studenten der Universität Haifa beim Framewalk 5 Projekt teilzunehmen [Folie 3]. In der Isolation der Steinwüste Israels habt Ihr zusammen an einer Aufführung zum Thema „Der Mythos und das Ich“ gearbeitet. Als eine neue, junge Generation habt Ihr dabei historische und aktuelle Konflikte überwunden und es entstanden sogar freundschaftliche Beziehungen, die z.T. bis heute fortbestehen. Besonders hervorzuheben ist, dass Du, Miriam, mit den anderen deutschen Tänzern „zur Schnittstelle und Brückenbauer zwischen israelischen und palästinensischen Studenten [wurdest]“. Für Prof. Shimon Levi – den betreuenden Dozenten – stellt das Ergebnis des Workshops sogar „nichts weniger als ein persönliches, künstlerisches und soziales Wunder“ dar.

Was hätten wohl Wilhelm Giesing, Direktor des Huma von 1925 bis 1938, und Hans Jonas, unser Philosoph und Ehrenbürger, zu dem Umstand gesagt, dass junge Deutsche, Israelis und Palästinenser gemeinsamen einen Tanzworkshop gestalten? Zugegeben: wir können nicht unzweifelhaft wissen, was Giesing, dessen Einsatz gegen die Diskriminierung von jüdischen Schülern zu seiner Absetzung führte, und Jonas, der erst bei seiner Ankunft in Mönchengladbach 1945 vom Tod seiner Mutter in Auschwitz erfuhr, sagen würden. Aber ich denke, wir dürfen annehmen, dass sie zunächst sehr erleichtert darüber wären, dass so etwas wieder möglich ist und dass sie sicherlich – so wie wir – sehr stolz wie auf Dich, Miriam, wären: Denn Du hast die verbindende Wirkung von Tanz und Theater in den Dienst eines bedeutsamen Zieles gestellt, und so die humanistischen Werte unserer Schulgemeinschaft sichtbar zum Ausdruck gebracht.

Aber Dein Engagement als Schülerin unserer Schule beschränkte sich nicht allein auf den Tanz: natürlich hast Du beim Sportfest für behinderte Jugendliche als Teampartnerin mitgemacht und warst empört als Du im Philosophiekurs von der immer noch weitverbreiteten grausamen Praxis der Mädchenbeschneidung erfuhrst, weshalb Du mit Felicitas den Rest des Kurses überzeugt hast, für die Organisation Terre des Femes in der Schule alte Handys zu sammeln, sodass fast 900 EU an Erlös zusammenkamen. [Folie 4]

Wie zu erwarten hast Du dann nach deinem Abitur Bühnentanz in Köln studiert, und zwar so erfolgreich, dass dich die Studienstiftung des deutschen Volkes unbedingt fördern wollte. Während dieser Zeit bist Du aber immer deiner Heimatstadt und Deiner Schule verbunden geblieben, was die vielen Aufritte sowohl in Mönchengladbach als auch am Huma z.B. anlässlich der Nachtaktiv 2016 deutlich belegen.

Doch danach musstest Du eine wichtige Entscheidung treffen: Solltest Du nun endlich die bereits einmal verschobene Tanzkarriere starten und z.B. in einem Theater oder einer Tanzcompany anfangen? Hier dienten Dir nun die Erfahrungen des Huma-Musicals als biographischer Leitfaden, denn Dir wurde klar, dass es Dir mehr bedeutet, andere an dem teilhaben zu lassen, was du am meisten liebst, statt selbst als Einzelkünstlerin im Vordergrund zu stehen und so hast Du Dich für den Masterstudiengang Kunst und Theater im Sozialen an einer Hochschule bei Bremen eingeschrieben, wo man die dazu notwendigen Fertigkeiten erlernt.

Uneigennützig hattest Du bereits vorher in Mönchengladbach und später in Bremen ehrenamtlich an Grundschulen umfangreiche Tanzprojekte mit Kindern realisiert und wurdest für das crowdgefundete Kindertanztheaterstück Muster in Bewegung zusammen mit Johanna Schlösser und Julia Ostermair für die nachhaltige Förderung von Kindern und Jugendlichen mit dem Preis Bremer Helden 2017 ausgezeichnet. [Folie 5]

Liebe Miriam, die Philosophen der Spätantike prägten die Formel: bonum est diffusivum sui. Das Gute ist dasjenige, was sich ausbreitet, indem es sich selbst verschenkt. Das heißt für unsere heutige Situation: Wer Teilhabe an dem Guten hat, der ist aus Dankbarkeit dafür moralisch verpflichtet, denjenigen, die normaler Weise davon aus körperlichen, sozialen oder kulturellen Gründen ausgeschlossen sind, diese Teilhabe ebenfalls zu ermöglichen. Wer dies – wie Du – für sich selbst erkannt hat und sein Leben danach gestaltet, der hat als wahrer Humanist den Förderpreis der Neustiftung – sozusagen den „Oscar“ des Humanismus – aufrichtig verdient, denn das Huma hilft denjenigen, die mit ihren Fähigkeiten anderen helfen und dafür bist Du, liebe Miriam, Vorbild für uns alle – Herzlichen Glückwunsch!

Es ist nicht deine Schuld, dass die Welt ist, wie sie ist, hieß es mal in der 7. Klasse im Deutschunterricht. Songtextanalyse. Ich will ehrlich sein, mir ist nicht viel davon im Kopf geblieben. Und wenn ich mal in die Runde frage, was hast du so in der Schule gelernt? Dann behaupte ich mal, ich werde in den ersten 30 Sekunden nicht mit Antworten überflutet. Und das ist ganz gut so. Denn auch ich musste erst einmal in mich gehen. Sorry an der Stelle an die Lehrerinnen und Lehrer.

Ich habe lange darüber nachgedacht. Und es gibt in der Tat ein paar Sachen, bei denen ich mir sicher bin, dass ich sie hier in dieser Schule lernen durfte.

  1. Halt an deinen Zielen fest.

Eine 5 in Mathe, bleibt nur so lange eine fünf, bis du dir zum Ziel gesetzt hast, daraus eine 4 zu machen.

  1. Gemeinsam schafft man mehr.

Gruppenarbeit kennt doch jeder von uns. Was in der Gruppe entsteht, ist nicht einfach die Summe aus dem, was jeder einzelne beiträgt. Was in der Gruppe entsteht, ist eben diese Summe + einen Faktor X, der erst durch die Gruppe als ganzes kreiert wird: Ein Gedanke, auf den man erst durch die Gemeinschaft kommt. Und diese Weisheit stammt keineswegs von mir, sondern wurde bereits von Platon so formuliert.

  1. Handle so, dass die Maxime deines Willens jederzeit zugleich als Prinzip einer allgemeinen Gesetzgebung gelten könnte. 

Dieser so simple Satz, schon fast zu simpel zu lange darüber nachzudenken, dieser Satz, hat das  Potential dutzende zwischenmenschliche, zwischenstaatliche, oder transnationale Konflikte, nicht zu zu lösen. Sondern, sie gar nicht erst entstehen zu lassen. Dieser so simple Satz hat das Potential, Normen und Werte zu schaffen, die das Fundament einer friedlichen Gesellschaft werden könnten. Warum also nicht regelmäßiger und intensiver den Satz in unseren Alltag einbauen?

  1. Ein Glas, das zur Hälfte mit Wasser gefüllt ist, ist IMMER halb voll ‒ IMMER. Und NIEMALS halb leer. 

In unserem Alltag werden wir tagtäglich mit Situationen und Rahmenbedingungen konfrontiert, die exogen gesetzt sind. Die sind da, und wir müssen irgendwie damit leben. Und trotzdem kann am Ende eine einzige kleine Sache entscheidend sein: Nämlich deine Perspektive auf eine gewisse Rahmenbedingung. Eine optimistische Grundeinstellung, kann dir selber ‒ aber auch deinem Umfeld ‒ vieles im Leben vereinfachen.  Vor Allem aber produziert Optimismus weiteren Optimismus in deinem Umfeld. Genauso sehr, wie Pessimismus, Angst oder sogar Hass, weiteren Hass produziert.

Das Ganze konnten wir in den letzten Monaten sogar live verfolgen. Weltweit konnten Rassisten, Populisten oder diktatorische Regime unglaubliche  Massen an Wählerinnen und Wählern mobilisieren. Und ehe man sich versah, hatten sie bereits 80 % der medialen Berichterstattung für sich eingenommen. Und trotzdem: Ich bin überzeugt, dass sie nicht annähernd 80% der Gesellschaft wiederspiegeln. Denn wir sind mehr ‒ und vor allem sind wir eins: Optimistisch.

  1. (Last but not least) Was soll ein einzelner schon verändern, fragte die halbe Menschheit.

Optimistisch zu sein, heißt nicht utopisch zu sein. Ich als einzelner kann die Welt nicht verändern. Der ein oder andere Sitzstreik an Karneval von dem Lehrerzimmer dagegen, konnte aber in der Tat dazu führen, dass der Unterricht nach 11:11 Uhr „ausfallen musste“. Wir sind so viele Menschen ‒ und haben am Ende doch oftmals die gleichen Ziele. Warum also nicht zusammenschließen und gemeinsam die Welt verändern. Ich freue mich, heute so viele Menschen zu sehen, die das gleiche Weltbild mit sich tragen, wieich es tue. So viele Menschen, die Verantwortung übernehmen. Freiwillig.

Miriam, du hast Verantwortung in besonderem Maße übernommen. Und wirst dafür zurecht mit dem Stiftungspreis geehrt. Ich bedanke mich bei all denjenigen, die diesen Preis ins Leben gerufen haben, am Leben halten und weitere Menschen dazu motivieren, daran zu glauben. Wenn ich so in den Saal schaue, dann merke ich erst, wie viele wir sind. Und ja, es ist nicht deine Schuld, dass die Welt ist wie sie ist. Aber es wäre deine Schuld, wenn sie so bleibt. Dankeschön.

Preisverleihung 2016

Im Jahre 2016 erhielten die ehemaligen Schüler Yannik Kerig, Alina Yüksel und Cagdas Yüksel den Stiftungspreis, die in einer mehr als einjährigen ehrenamtlichen Arbeit den Dokumentarfilm „Asyland“ gedreht und produziert sowie diesen dann auch auf einer Tour durch Deutschland in vielen Schulen präsentiert und diskutiert hatten. Mit dem Film, der aus der Perspektive der Betroffenen berichtet, und mit ihrem Einsatz gelang es ihnen, die Diskussion über das Flüchtlingsthema zu bereichern und voranzubringen. Indem sie es schafften, ein solches Projekt durch Beharrlichkeit, Arbeitseinsatz, Kreativität und Leidenschaft umzusetzen und den gesellschaftlichen Diskurs zu fördern, entsprechen sie in besonderer Weise dem, was Hans Jonas in seinem Prinzip Verantwortung fordert.

Liebe Schülerinnen und Schüler, liebe Kolleginnen und Kollegen, sehr verehrte Gäste, liebe Preisträger Alina, Cagdas und Yannik.

Es ist ziemlich genau ein Jahr her, da haben wir euch hier an gleicher Stelle schon einmal willkommen geheißen. Ihr habt euren Film „Asyland“ vorgeführt und im Anschluss daran eine Diskussionsrunde dazu moderiert. Die hier heute anwesenden Schülerinnen und Schüler werden sich sicherlich noch an diese Vorführung erinnern, vielleicht nicht alle in gleichem Maße, aber mit Sicherheit wird die Erinnerung lebendiger sein als – sorry liebe Kolleginnen und Kollegen – an die Unterrichtsstunden zuvor. Das alleine macht noch nicht hinreichend deutlich, warum ihr hier heute den Preis der Huma Stiftung erhalten werdet, ist aber ein erster Indikator. Was hat es nun mit diesem Film auf sich, dass er das Kuratorium der Stiftung dazu bewogen hat, euch hier heute auszuzeichnen?

Wenn ich es richtig in Erinnerung habe, war es Cagdas, der an einer Mönchengladbacher Flüchtlingsunterkunft vorbeigejoggt ist und sich einige Fragen gestellt hat: Was sind das eigentlich für Menschen, die dort leben? Warum sind sie hier? Was denken und fühlen sie? Was sind ihre Wünsche und Träume? Was ist ihnen widerfahren und wie geht es ihnen jetzt? Du hast also, lieber Cagdas, entsprechend den Anforderungen an modernen Schulunterricht die Fragestellung selbst entwickelt. Yannik, als Lehramtsstudent solltest du dir das unbedingt merken, wenn du später im Referendariat bist, kommt sowas unglaublich gut an.

Nun ist das sich selbst Fragen stellen noch keine herausragende Leistung. Interessant ist es, wie wir auf die Antworten kommen. Und hier beginnt das eigentlich Besondere. Es kam der Gedanke auf, diesen Fragen in einem selbst zu drehenden Dokumentarfilm auf den Grund zu gehen. Da Cagdas klar war, dass er das niemals alleine würde stemmen können, bildete er ein Team unter anderem mit unseren ehemaligen Schülern Yannik Kerig und Alina Yüksel. Abgesehen von den zeitlichen Problemen, die ein solches Projekt mit sich bringen würde (zumindest wenn man es quasi nebenberuflich machen will), wurde schnell klar, dass es auch finanziell nicht ganz einfach sein würde. Viele hätten hier schon aufgegeben oder die liquiden Eltern um Geld gefragt. Nicht so ihr. Überzeugt von eurer Idee habt ihr über eine Crowdfunding Plattform um Geld gebeten, um das Projekt zu finanzieren. Und siehe da: Ihr wart so überzeugend, dass ihr die 4000 Euro rechtzeitig zusammen hattet.

Die Dreharbeiten konnten beginnen und auch hier war es alles andere als leicht, Ergebnisse zu erzielen. Ihr musstet die Republik bereisen mit einem schmalen Budget, Kontakte herstellen, Hindernisse überwinden, Rückschläge wegstecken und Menschen finden, die mit euch reden wollten und konnten, Menschen, die euch vertrauten. Das alles habt ihr geschafft und alleine darauf könntet ihr schon stolz sein.

Mit der Fertigstellung des Filmes war aber die Arbeit keineswegs beendet, denn ihr wolltet diesen Film nutzen, um ins Gespräch zu kommen, zum Nachdenken anzuregen und einen Beitrag zu dem immer aktueller werdenden Flüchtlingsthema zu leisten. Dies bedeutete, den Film vorzuführen und dies habt ihr getan…an Schulen, Hochschulen und in Kinos. Mehr als 20.000 Menschen habt ihr auf diese Weise erreicht. Als ihr dann nach vielen Filmvorführungen quer durch Deutschland endlich in eurer schulischen Heimat, dem Huma, auftreten konntet, war ich mehr als gespannt und das nicht nur, weil der WDR zugegen war, zu dem Cagdas später sogar noch eingeladen wurde. Der Film war hervorragend und ist nicht ohne Grund vielfach gelobt und auch in der Presse häufig positiv erwähnt worden. Doch viel beeindruckender fand ich die Art und Weise wie ihr mit den Schülern diskutiert habt, wie ihr sie ernst genommen habt in ihren Ansichten und vor allem wie ihr sie zum Nachdenken gebracht habt. Besonders in diesem Moment war ich sehr stolz darauf, einmal euer Lehrer gewesen zu sein, nicht zuletzt auch deshalb, weil ihr mir selbst mit diesem Film neue Perspektiven eröffnet habt.

Ich komme zum Schluss: In einer Zeit, in der wir immer wieder beobachten können wie Menschen in Deutschland auf der Suche nach einfachen Lösungen und stumpfen Parolen sind, hattet ihr den Mut und die Ausdauer auf einen langen und komplizierten Weg zu gehen, bevor ihr euch eine Meinung bildet. In einer Zeit, in der wir immer wieder beobachten können, wie Menschen in Deutschland meinen, ein mal eben schnell dahingeschriebener Kommentar bei Facebook sei ein signifikanter Beitrag zum politischen Diskurs, habt ihr euch ein ganzes Jahr Zeit genommen, um einen wirklich wertvollen und anregenden Beitrag zu ebendiesem Diskurs zu liefern. In einer Zeit, in der es immer populärer zu werden scheint über Menschen statt mit ihnen zu reden, habt ihr euch entschieden, das Gespräch mit den Menschen, um die es geht, zu suchen. Ihr habt – ganz im Sinne des Prinzips Verantwortung von Hans Jonas, einen Beitrag zu einem friedlichen Miteinander in unserer Gesellschaft geleistet. Deshalb möchten wir euch für euer Engagement, eure Ausdauer und euren Mut ganz herzlich danken und den diesjährigen Preis der Neustiftung des Huma verleihen. Wir sind stolz auf euch. Vielen Dank.

Meine Damen und Herren,

genauso aufgeregt wie jetzt vermutlich Alina, Cagdas und Yannik war ich letztes Jahr um diese Zeit. Denn voriges Jahr wurde mir die gleiche Ehre zuteil, nämlich gemeinsam mit einer Mitschülerin den Förderpreis der Huma-Neustiftung entgegennehmen zu dürfen.

Aufgeregt, obwohl knapp 7.000km entfernt, nämlich zum Freiwilligendienst in Indien. Deshalb möchte ich jetzt erst einmal die Gelegenheit nutzen, mich nochmal persönlich ganz herzlich zu bedanken. Für das Vertrauen und die Anerkennung, die dieser Preis zum Ausdruck bringt. Natürlich aber auch für die Dotierung, das Geld wird im Studium eine große Hilfe sein und auch der Teil für das indische Kinderheim ist dort in guten Händen.

Bedanken möchte ich mich aber auch für acht gewinnbringende Schuljahre, vor allem bei meinen Lehrern. An dieser Stelle seien stellvertretend meine Geschichtslehrer genannt: Frau Busenius-Pongs und ihr Fachkollege Herr Bergemann, bei denen ich nicht nur im Unterricht sehr viel lernen konnte, sondern die mich auch im Projektkurs und bei vielen anderen Gelegenheiten unterstützt haben.

Nun hat man mich also gebeten, aus der Sicht eines Preisträgers über die Stiftung zu sprechen. Für mich schließt sich an dieser Stelle ein sehr schöner Kreis: Denn Grund für meinen Preis war ein unter anderem eine Arbeit für die Festschrift über das Huma im Ersten Weltkrieg. Und im Zuge dieser Arbeit hab ich mich auch zum ersten Mal ernsthaft damit auseinandergesetzt, was eigentlich genau das Humanistische am Huma ist, was also diese Werte ausmacht, für die auch die Stiftung und ihr Förderpreis stehen.

Und jetzt, in Vorbereitung auf mein Studium, gewinnt genau dieses Thema noch einmal neu an Bedeutung. Ich werde Jura studieren – das scheint ein großartiges Fach zu sein und ich freue mich schon auf das erste Semester. Aber Jura hat natürlich auch den Ruf, verdammt trocken zu sein. Was mich zu der Frage bringt, was eigentlich aus dem Menschen an sich wird, wenn er sich das ganze Studium mit Gesetzen, Normen und EU-Richtlinien beschäftigt? Oder – das Problem stellt sich ja bei den meisten Fächern – mit chemischen Formeln oder der menschlichen Anatomie.

Das Universitätsstudium liefert akademische, die Ausbildung berufspraktische Bildung. Aber wie könnte, um bei meinem Beispiel zu bleiben, die reine Kenntnis der Gesetze ausreichen, um ein lebensnaher Richter oder Anwalt zu werden? Genauso erwartet man ja auch von einem Arzt, der Krebspatienten behandelt, mehr als das rein medizinische Fachwissen. Und mit dieser – rein menschlichen – Bildung kann das Studium nur begrenzt dienen.

Woher menschliche Bildung nehmen… An genau diesem Punkt begannen auch die Überlegungen des Mannes, der als Begründer des Bildungshumanismus der Neuzeit gilt, nämlich des preußischen Bildungsreformers Wilhelm von Humboldt. Während man zum Beispiel in England den Schulen einen ganz praktischen, berufsbilden Charakter verpasst hatte, wollte von Humboldt die Schüler an den Gymnasien dieses Landes nicht nur auf das Studium vorbereiten, sondern aus ihnen auch ganz allgemein gebildete Menschen machen.

Dieses System greift bis heute. Wir kennen die Klagen, unsere Schulen lehrten Dinge, die fürs Leben belanglos sind. Aber genau diese, nicht auf die Berufspraxis ausgerichteten sondern allgemeinbildenden Fächer sind es, die unseren Horizont erweitern. Und deshalb bin ich auch froh, in der Schule Dinge gelernt zu haben, die auf den ersten Blick vollkommen alltagsuntauglich scheinen.

Auch wenn ich Deklinationsformen und die stilistischen Mittel aus Ovids Metamorphosen vermutlich längst wieder verlernt habe, bin ich froh über meinen Lateinunterricht an dieser Schule! Nicht weil ich Latein im Alltag brauchen werde, das ist unwahrscheinlich, sondern weil Latein formal- strukturelles Denken lehrt, analytisches Vorgehen und entschlüsselndes Sprachverständnis.

Genauso ist das Geschichtsverständnis kein semiintellektuelles Beiwerk, sondern es schärft unser Bewusstsein dafür, warum die Gesellschaft heute so funktioniert, wie wir sie jeden Tag erleben. Geschichte aber auch als Werkzeugkasten für die Gegenwart, weil sie uns lehrt, warum wir von menschenfeindlichen Ideologien oder blutigen Systemumkrempelungen ohne Alternativplan tunlichst die Finger lassen sollten.

Mathematik hilft uns, komplexe Probleme auf das reine, nüchterne Zahlenwerk herunterzubrechen und zu einem objektiven Ergebnis zu finden. Religions- und Philosophieunterricht bringen uns bei, mit den Dingen umzugehen, die sich eben nicht auf solches Faktenwerk reduzieren lassen, mit dem Glauben und mit Werten. Ganz wichtig: Kunst, Musik und Literatur, denn auch das kreative Kulturverständnis macht unser Menschsein aus.

Für das eigene Studienfach war das entsprechende Schulfach eine gute Vorbereitung. Aber, meine Damen und Herren, das meiste Fachwissen aus der Schulzeit werden die wenigsten in ihrem Berufsalltag brauchen. Die Annahme, dieser Unterricht sei deshalb sinnlos, ist aber in meinen Augen falsch. Er hat uns kein praxistaugliches Fachwissen vermittelt, aber er hat uns zu bewussteren, zu urteilsfähigeren und verständnisvolleren Menschen gemacht.

Das klingt ehrgeizig und will natürlich nicht meinen, dass die Bildung nach der Schule abgeschlossen sei, im Gegenteil! Aber das Gymnasium sollte den Grundstein legen, auf dem Studium oder heute auch Ausbildung aufbauen können.

Wir brauchen Schulen, die aus uns – mit von Humboldts etwas hochtrabenden Worten –gebildete Menschen machen! Wir brauchen Schulen, die den Grundstein dafür legen, dass wir uns jahrelang mit Strukturformeln oder Gesetzestexten zuschütten können, ohne zu Fachidioten zu verkommen! Wir brauchen humanistische Bildung an unseren Gymnasien!

Aber Huma steht für mehr. Mein Gymnasium hat sich nicht nur dem Bildungsideal des Humanismus verschrieben, sondern folgt auch sonst der geistigen Tradition, über die man drüben in der Schulbibliothek im Brockhaus lesen kann: „Schon in der Antike selbst vorbereitet, ist der Humanismus als umfassende Bewegung in fast allen Epochen der europäischen Geistesgeschichte präsent und bedeutet einen zentralen Wesenszug der abendländischen Kultur überhaupt.“

Und ja, von Ciceros „studia humanitatis“, über den klerikalen Humanismus des Mittelalters, über den Renaissance-Humanismus bis hin zur Bildungspolitik der Neuzeit zieht er sich durch die ganze Geschichte unserer Kultur. Auch für die Widerstandskämpfer im so genannten Dritten Reich wurde er zum politischen Schlagwort, weil er in seiner Geisteshaltung frontal mit dem Faschismus kollidiert.

Und vielleicht gerade wegen dieser langen Tradition ist der Humanismus heute nach wie vor brandaktuell. Denn je mehr die Homogenität unserer Gesellschaft abnimmt, umso größer wird auch ihr inneres Konfliktpotential. Da ist es enorm wichtig, das sensible Gleichgewicht zu wahren aus liberalem Individualismus und dem Bekenntnis zu gemeinsamen Werten.

Und was dieses Gleichgewicht bedeutet, lehrt uns der Humanismus: Der Mensch im Zentrum. Engagement für die Gesellschaft. Verantwortung. Das Prinzip Verantwortung, wie Hans Jonas sagen würde. Das eigene Dasein in Einklang zu bringen mit der Permanenz echten menschlichen Lebens.

Für diese Werte steht der Stiftungspreis, für diese Werte steht auch das Huma. Und, meine Damen und Herren, für diese Werte stehen auch Alina, Cagdas und Yannik mit ihrem Bemühen, uns die Situation von Flüchtlingen näher zu bringen.

Meine Schule hat es sich in humanistischer Tradition zum Ziel gemacht, menschlich gebildete und verantwortungsvolle Menschen hervorzubringen. Und die Preisträger dieses Jahres zeigen: Läuft!

Ich danke Ihnen!

Preisverleihung 2015

Im Jahr 2015 erhielten den Preis Fee Grupe und Franz Janßen, zwei Abiturienten dieses Jahres. Fee Grupe überzeugte besonders durch ihr Engagement in Deutschkursen für Asylsuchende, ihren Einsatz für Asylantenkinder mit dem Spielmobil der Jugendkooperation Mönchengladbach-Mitte und den Gewinn des Preises beim Bundes- und Landeswettbewerb Philosophischer Essay, Franz Janßen durch seinen hervorragenden wissenschaftlichen Beitrag über Das Huma im ersten Weltkrieg und seinen Essay über Hans Jonas in der Festschrift sowie sein Engagement bei der Organisation und Moderation einer Podiumsdiskussion im Kommunalwahlkampf. Beide Preisträger setzten sich damit kritisch mit der gesellschaftlichen Wirklichkeit auseinander, blieben dabei aber nicht abstrakt, sondern handelten und ließen ihren Worten auch Taten folgen, wie es Hans Jonas in seiner Ethik des Prinzips Verantwortung fordert.

Liebe Schülerinnen und Schüler, liebe Kolleginnen und Kollegen, sehr geehrte Gäste, liebe Fee,

zunächst möchte ich mich bei allen bedanken, die zur Auferstehung der Stiftung und somit zur Entstehung des Stiftungspreises beigetragen haben. Es fühlt sich gut an, heute hier stehen zu können, um das Engagement einer Schülerin besonders zu würdigen: Meinen herzlichen Dank dafür!

Der Preis der Neustiftung wird an Schülerinnen und Schüler vergeben, die durch ihre Taten die Grundwerte unserer Schule besonders deutlich zum Ausdruck bringen. Als humanistische Schule haben wir als Leitbild den Humanismus gewählt, der das Ideal eines wahren Menschseins formuliert, dem man sich durch Bildung und Selbsterziehung annähern kann. Verhaltensweisen, die uns dem Ideal des wahren Menschen näherbringen, nennt man seit je her Tugenden. Mir fällt kein besserer Weg ein, den Sinn einer Lobrede hier heute zu erfüllen, als darzustellen, welche Tugenden ich bei Fee kennengelernt, aber vor allem auch: von denen ich gelernt habe.

Als Philosophielehrer beginne ich natürlich mit Wissen bzw. Weisheit als erster Tugend und bin stolz darauf, dass Fee das Erbe, das an unserer Schule mit dem Namen Hans Jonas verbunden ist, als eigenständige Denkerin fortführt. Ihren kritischen Geist demonstrierte sie in vielfältigen Diskussionen innerhalb ihrer Oberstufenkurse. Lebendig präsent ist mir besonders ihre sehr leidenschaftliche aber ebenso rationale Verteidigung des Vegetarismus. Ihr kritischer Verstand überzeugte nicht nur so manchen Mitschüler, sondern auch die Jury des Landes- und Bundeswettbewerbs philosophischer Essay, die einen von ihr verfassten Text besonders auszeichnete. Wie jedoch Hans Jonas als Konsequenz seiner Verantwortungsethik fordert, darf Wissen nicht bloßer Selbstzweck bleiben, sondern sollte genutzt werden, um die Zukunft positiv zu gestalten. Dazu bedarf es der Tugenden zwei und drei, nämlich Wohlwollen und Hilfsbereitschaft.

Während ich in Fees Alter hauptsächlich mit mir selbst beschäftigt war, hat sie sich für Mitmenschen interessiert, die an den äußersten Rand unserer Gesellschaft gedrängt werden: Asylsuchende in Flüchtlingsheimen in Mönchengladbach. Dort hat sie ehrenamtlich zuerst einmal, später an zwei Nachmittagen Deutschunterricht gegeben. Während andere Schüler ihre Zeit zur Optimierung der Abiturnote einsetzten, hielt Fee es für wichtiger anderen mit ihrem Wissen und ihrer Geduld zu helfen und – um hier Sorgen vorzubeugen – schaffte natürlich trotzdem einen hervorragenden Abschluss. Fee gab allerdings nicht nur Deutschunterricht, sondern organisierte mit anderen zusammen den regelmäßigen Besuch eines Spielmobils in den Asylunterkünften, sodass die Kinder dort ein wenig Abwechslung in dem erzwungenermaßen tristen Alltag erleben durften und hier begegnet uns Tugend Nummer vier: Fairness. In den Gesprächen anlässlich des Stiftungspreises hat Fee mir gegenüber immer wieder betont, dass sie nicht die einzige Schülerin des Humas ist, die sich in dieser Art engagiert hat, und deshalb ist es nur fair und in ihrem Sinne, wenn ich sage, dass weitere Abiturientinnen dieses Jahres, nämlich Jane Kremer, Lioba Steins und Kady Koné,  in den beschriebenen Projekten ebenfalls engagiert mitgeholfen haben.

Fees Auszeichnung ist also zum Teil stellvertretend für all jene, die sich  herzlich und hilfsbereit anderen gegenüber gezeigt haben und hier leider nicht als solche gewürdigt werden können. Es wird dadurch aber auch deutlich, dass wir uns nicht hinter dem Hinweis, dass solch moralisch vorbildliches Handeln außergewöhnlich und einmalig sei, verstecken können, die Abiturienten dieses Jahres haben gezeigt: wo ein guter Wille ist, ist immer auch ein Weg!

Kommen wir zu Tugenden Nummer fünf und sechs, die vielleicht in besonderer Weise der jüngeren Generation gehören: Entschlossenheit und Optimismus. Wenn man mit anderen Menschen Zeit verbringt, beginnt man irgendwann Anteil zu nehmen und sich um sie zu kümmern. So begann auch Fee sich um Goitom Kahsay, einen ihrer Deutschschüler, zu kümmern, als sich herausstellte, dass er gemäß den Dublin-Regeln trotz seines ergreifenden Schicksals und den Dank Fee erworbenen Deutschkenntnissen in das überforderte Erstaufnahmeland Italien zurückabgeschoben werden sollte.

Das konnte Fee so nicht hinnehmen. Doch was tun? Fest entschlossen Goitom zu helfen, nutzte Fee die Online-Petitionsplattform Chance.org, um seinen Fall darzustellen und für Unterstützung und Unterschriften zu werben. Ich machte einen befreundeten Anwalt, der ehrenamtlich für Amnesty Düsseldorf berät, auf das Schreiben aufmerksam. Er erklärte uns, dass der Fall gut beschrieben sei, aber erkennbar unter die Dublin-Regelung falle, weshalb dessen Aussichtslosigkeit damit auch abzusehen war. Doch nicht mit Fee! In buchstäblich allerletzter Sekunde fand Fee eine Psychologin, die Goitom bescheinigte, dass er, solange seine Kriegstraumata akut seien, nicht verlegungsfähig sei. Das alles fand natürlich genau in der Klausurphase der 13.2 statt, die bereits für die Abiturzulassung gewertet wird, aber Fee steht so unbeirrbar zu ihren Überzeugungen, dass selbst ein Prinzipienreiter wie Kant im Vergleich dazu wie ein rückgratloser Warmduscher wirkt. Und mit welchem Erfolg! Inzwischen wurde Goitoms Asylantrag ganz regulär genehmigt. Fees unnachgiebiger Einsatz hat dazu geführt, dass ein junger Mensch die Chance auf eine echte weil lebenswerte Zukunft wiedererlangt hat – wer kann so etwas schon von sich behaupten?

Hier könnte man nun geneigt sein zu sagen: „Glücklich das Land, das solche Helden hat!“ Aber man müsste wohl mit Brechts Galileo antworten: „Unglücklich das Land, das solche Helden nötig hat.“ – Wollen wir wirklich, dass die Möglichkeit des Wahrnehmens von Grundrechten allein von dem Engagement einer Oberstufenschülerin abhängt? Auf jeden Fall können wir aus Fees Beispiel lernen, dass ob etwas möglich oder unmöglich ist, nie im Vorhinein entschieden ist und dass Entschlossenheit und Optimismus die Grenzen des vermeintlich Unmöglichen verschieben können: wo ein guter Wille ist, wird Unmögliches möglich!

Ich deute nur an, dass Fee auch leidenschaftlich das Schulleben am Huma mitgestaltete. Sie unterstützte mit der Band die Musicalaufführungen, schrieb fleißig Texte für die Festschrift zu unserem Schuljubiläum und half bei der Organisation der Podiumsdiskussion lokaler Spitzenpolitiker in unserer Aula mit.

Vor allem aber gibt sie der antiken Idee des Humanismus ein modernes Antlitz. Durch sie wird deutlich, was Tugenden für uns heute bedeuten: nämlich Verantwortung zu übernehmen für das,  was wir noch nicht sind, aber werden können: wahre Menschen. Unsere Preisträger schreiben ein weiteres Kapitel in der Geschichte der Schule und prägen sie dadurch auf ihre ganz persönliche Art und Weise. Das ist es, was ich uns allen wünsche: dass wir bei dem Versuch wahre Menschen zu werden die Orte, an denen wir leben und lernen, zu unseren Orten werden lassen, so wie Fee und Franz das Huma zu ihrem Huma gemacht haben und so zukünftig ebenso ein bisschen Humanismus à la Huma in die Welt hinaustragen. Dafür danken wir euch heute.

Marc Breuer

Liebe Schülerinnen und Schüler, liebe Lehrerinnen und Lehrer, sehr geehrte Gäste,

erst einmal möchte ich mich bedanken. Ich möchte mich bei Herrn Breuer bedanken, für die Nominierung und für die netten Worte. Und ich bedanke mich bei den Leuten, die Franz und mir diesen Preis verliehen haben. Ich danke Ihnen dafür, dass Sie dadurch ein Zeichen gesetzt haben: Das Zeichen, dass Engagement gut und wichtig ist. Und dass es anerkannt und unterstützt wird. Vielleicht dient diese Preisverleihung ja als Inspiration für andere, sich auch zu engagieren.

Wenn man nach Paris schaut oder sieht, unter welchen Umständen Flüchtlinge in Calais oder auf Lesbos leben; wenn man bedenkt, wie viele Menschen immer noch ihre Heimatländer auf Grund von Krieg, Gewalt oder mangelnder Perspektive verlassen und sich auf die gefährliche, oft tödliche Flucht nach Europa begeben, kann man verzweifeln. Man kann verzweifeln, wenn in Europa Zäune gebaut werden und Menschen gegen Flüchtlinge auf die Straße gehen; wenn von „Flüchtlingswellen“ oder „-strömen“ oder von „überrollen“ die Rede ist, weil durch diese Bildsprache aus Flüchtlingen Kostenfaktoren werden, Lasten und vergessen wird, dass es Menschen sind, die ihre Heimat nicht aus Spaß verlassen haben. Alleine die Nachrichten zu sehen oder die Zeitung zu lesen, kann einen in die Verzweiflung treiben. Doch es ist wichtig, dass die Verzweiflung nicht siegt.

Wenn man die Umstände sieht, unter denen Flüchtlinge in Calais oder auf Lesbos leben, muss man sich auch die Freiwilligen anschauen, die das auffangen, was der französische oder der griechische Staat nicht leisten. Freiwillige, die ihre Freizeit oder ihre Ferien opfern, um für andere da zu sein und um zu helfen. Aus reiner Menschlichkeit. Man muss sehen, wie viele Menschen ihre Solidarität zeigen. Und wie viele dagegen protestieren, wenn Flüchtlinge als Last und Kostenfaktor abgestempelt werden. Natürlich gibt es Nazis und sogenannte „besorgte Bürger“, aber es gibt eben auch die anderen, die gegen diese Nazis demonstrieren und die sehen, dass Flüchtlinge nicht nur eine Chance verdient haben, sondern auch eine Chance für Deutschland sind. Natürlich gibt es Politiker, die von ausgelasteten Kapazitäten sprechen, aber es gibt auch Politiker wie Torsten Albig, den Ministerpräsidenten von Schleswig-Holstein, der gesagt hat: „Wir müssen denen unser Land zur Heimat machen, die ihr Land verloren haben.“

Wenn man versucht, die Welt, alle Missstände, das große Ganze zu verändern, verzweifelt man. Doch es sind kleine Dinge, die man ändern und besser machen kann. Und kleine Dinge machen das große Ganze aus.

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.

Liebe Schülerinnen und Schüler, liebe Kolleginnen und Kollegen, sehr verehrte Gäste, lieber Franz,

 

Ich stehe heute hier als ehemaliger Geschichtslehrer von Franz Janssen. Wenn mein alter Geschichtslehrer wüsste, dass ich hier und heute eine Laudatio halte auf einen ehemaligen Schüler, der Mitglied in der Jungen Union und begeisterter CDU-Wähler ist, so würde sich ein schelmisches Lächeln auf seinem Gesicht zeigen. Mein alter Geschichtslehrer war nämlich genau das, was Franz ist: Begeisterter CDU-Wähler. Ich saß immer zu seiner Linken und das nicht ohne Grund. Diskussionen und Streit waren da vorprogrammiert und wir haben in der Tat viel diskutiert und gestritten. Aber, und das ist das eigentlich Entscheidende, dies geschah immer fair und respektvoll. Und genau dies ist die Verbindung zu meinen Erfahrungen mit Franz, denn auch mit ihm habe ich viel diskutiert und gestritten, aber auch in diesem Fall immer fair und respektvoll. Genauso, wie ich es mir an meiner Schule wünsche.

Wenn es also heute um das Besondere, das Herausragende von Franz´ Engagement gehen soll, dann bezieht sich dies in erster Linie, wenn auch nicht nur, auf sein politisches Engagement. Auch wenn wir politisch nicht immer auf einer Wellenlänge lagen, so finde ich dieses Engagement beachtlich und herausragend. Ich würde mir mehr davon in unserer Schülerschaft wünschen, denn unsere Demokratie lebt davon, dass möglichst viele an ihr partizipieren und vielleicht nicht nur alle vier Jahre unreflektiert ihr Kreuz irgendwo machen. Und selbst das ist ja vielen schon zu viel des Engagements mittlerweile. Jüngstes erschreckendes Beispiel sind die diesjährigen Stichwahlen zum Bürgermeister. Franz hat sich auf verschiedenen Ebenen eingebracht. Als Vorstandsmitglied der CDU auf Ortsverbandsebene, als Vorstandsmitglied der Jungen Union auf Stadtbezirks- und Kreisebene, ebenso wie in Ausschüssen des Rates. Weiterhin hat er den Debattierklub „Streitkultur“ gegründet, der in regelmäßigen Abständen aktuelle politische Themen behandelte. Ich würde mir wünschen, dass der ein oder andere, der sich für politische Fragestellungen interessiert und hier heute sitzt, sich einen Ruck gibt und aktiv Politik mitgestaltet. Es muss auch nicht in der CDU sein.

Dass er sich zusätzlich in der Mönchengladbacher Jugendkirche eingebracht hat, ist für ihn als Christdemokrat nur folgerichtig. Auch ein solches Engagement halte ich für vorbildhaft, denn Kirche ist eine von vielen Formen von Gemeinschaft in unserer Gesellschaft, in der man Positives bewirken kann.

Nun denn, genug von Politik und Kirche…was war Franz Janssen für ein Schüler?

Dass er ein hervorragendes Abitur gemacht hat, dass er in der mündlichen Geschichtsprüfung für eine Sternstunde gesorgt hat, all das möchte ich gar nicht so sehr in den Mittelpunkt stellen. Doch seine Rolle als Schüler halte ich schon für etwas besonderes und möchte dies an zwei Beispielen verdeutlichen:

Zum einen hat Franz wie kaum ein anderer in seiner Jahrgangsstufe polarisiert. Ich glaube nicht, dass ich übertreibe, wenn ich sage, dass er vielen mit seiner glühenden Liebe zu seiner Partei gehörig auf die Nerven gegangen ist. Ich glaube der Hans-Wilhelm Reiners-Kugelschreiber ist immer noch das meistgenutzte Schreibutensil am Huma. Gleichwohl hat er es nicht versäumt zusammen mit der ebenfalls ausgezeichneten Fee Grupe eine Podiumsdiskussion Mönchengladbacher Politiker anlässlich der Kommunalwahl auf die Beine zu stellen und zu moderieren. Auch das ist Einsatz für die Demokratie und im Sinne der Demokratie.

Zum zweiten möchte ich Franz´ herausragende Arbeit im Bereich Geschichte und 150-Jahr-Feier hervorheben. Seine Artikel für die Festschrift über Hans Jonas und über das Huma während des Ersten Weltkrieges sind von wirklich überragender Qualität. Jeder Geschichtsprofessor wäre überglücklich einen solchen Studenten zu haben, denn Franz war ohne jegliche Hilfe in der Lage auf höchstem wissenschaftlichen Niveau zu schreiben. Darüber hinaus vergaß er nicht, seinen Mitschülern bei ihren Texten unter die Arme zu greifen, einen Artikel für die Rheinische Post zum Thema zu schreiben und zusammen mit anderen Schülern und Frau Busenius-Pongs federführend die Geschichtsausstellung zur 150-Jahr-Feier in unserer Bibliothek zu organisieren. Dankenswerterweise hat er diese Ausstellung anlässlich des Präsentationsabends Geschichte am Huma in diesem Jahr wiederholt angeboten, zusammen mit seinem Mitschüler Felix Beyersdorff. Auf diese Weise hat er äußerst wertvolle Beiträge zur Pflege des historischen Bewußtseins unserer Schule geleistet und große Wirkung nach außen und nach innen erzielt.

Zuletzt noch ein kurzer Hinweis auf die Tatsache, dass Franz heute gar nicht hier ist. Er kann nicht hier sein, weil er sich in einem gemeinnützigen Projekt in Indien engagiert. Er bringt dort Kindern und Jugendlichen Englisch und den Umgang mit dem Computer bei und tut dies, trotz widrigster Umstände, mit großer Freude. Kurz nach dem Abitur in ein derart fremdes Land zu gehen und dann nicht, um dort als Pauschaltourist Urlaub zu machen, sondern um den Ärmsten der Armen zu helfen, das ist schon ein mutiger Schritt, wie ich finde. Und es verkörpert auch in idealer Weise das, was ich unter dem vielzitierten „Prinzip Verantwortung“ verstehe.

Was ist also nun die Botschaft, die das Kuratorium der Neustiftung Huma hier und heute mit dieser Auszeichnung vermitteln möchte? Ich denke, man kann sie als Appell verstehen: Engagiert euch, steht nicht nur daneben und seid passive Zuschauer, mischt euch ein, stellt Fragen, entwickelt eine Haltung, eine innere und eine äußere, seid kritisch, gesteht euch und anderen Fehler zu, bleibt fair in der Auseinandersetzung, aber führt sie, tut etwas für die Gemeinschaft und bedenkt, dass Gemeinschaft überall da sein kann, wo ihr sie schafft. Tut dies und anderes Gutes in dem Bewußtsein der Tradition unserer Schule, in der nicht Angst, sondern Liebe unser Leitmotiv sein soll. Seid, so wie Franz und so wie Fee, Humanisten des 21. Jahrhunderts! Vielen Dank.

“Was macht eigentlich…?”

Einmal HUMA, immer HUMA.

Ollivander lässt Harry Potter bei der Übergabe des Zauberstabes wissen: “Ich denke, wir haben Großartiges von Ihnen zu erwarten, Mr. Potter…”. Und genauso sind wir sicher, dass die Preisträgerinnen und Preisträger uns auch in Zunkunft durch ihre Projekte überraschen und begeistern werden. Zum Mitfiebern soll deshalb ab und an hier darüber berichtet werden…

Nach “Worten”, ein Sammelband mit kürzeren Erzählungen und dem Roman “Scherben: Wenn aus Unrecht Recht wird”, ist nun Fees drittes Buch “Zeitgefühl” erschienen. Die Lyriksammlung stellt Notizen einer Europäerin im 21. Jahrhundert über die großen Themen dar: Unsterblichkeit, Ideale, unsere Gesellschaft, Utopie, Dunkelheit, politische Teilhabe, Kultur, Dankbarkeit, den Sinn des Lebens, Nostalgie, Krieg und Frieden, Schönheit, Vergänglichkeit, Flucht und Liebe.

Wir wünschen dem Band viele dankbare Leser!

Der Besuch der Schülerinnen und Schüler unserer französischen Partnerschule aus Orléans war für alle Beteiligten ein besonderes Erlebnis. Nach dem Motto “Begegnung in der Bewegung” studierte Miriam mit den HUMA-Schülern und den Gästen eine gemeinsame Tanz-Choreographie ein, die vor Eltern aufgeführt wurde.  Miriam hat sich die Mühe gemacht, den tanzpädagogischen Ansatz dieses interkulturellen Projektes für uns näher zu erläutern:

 

 

 

 

 

 

Begegnung in der Bewegung

von

 Miriam Röder

 

Das Tanzprojekt „Begegnung in der Bewegung“ sollte den Schüler/innen eine neue Möglichkeit geben sich kennen zu lernen und miteinander zu agieren. Ich habe bewusst Arbeitsweisen aus dem zeitgenössischen Tanz ausgewählt, bei denen die Schüler/innen sich z. B. die Handgeben oder das Handgelenk festhalten müssen. Der Fokus wurde daraufgelegt, dass die Schüler/innen in einem körperlichen Austausch kommen, indem sie das Gewicht des Gegenübers spüren und zusammen als Team agieren. Die meisten Schüler/innen haben als Austauschpartner die Duette im Stück getanzt. Neben dem intensiven körperlichen Partneraustausch, hat das gemeinsame Entwickeln eines Stücks die Absicht, dass die Gruppe zusammenwächst und ein Gemeinschaftsgefühl entsteht. Am ersten Tag erschien mir die Gruppen als sehr groß. Nach ein paar freien Übungen, um die Schüler/innen in Bewegung zu bringen, entschied ich mich schnell konkret die ersten Übungen in Partnerarbeit vorzugeben. Eigentlich wollte ich den Schüler/innen am ersten Tag viel mehr kreativen Freiraum geben, aber die Gruppe wirkte zu Beginn verunsichert und unruhig, sodass ich direkt mit von mir vorgegebenen Bewegungsabläufen anfing. Ich habe eigentlich nicht erwartet, dass die Partnerübungen, bei denen die Schüler/innen sich am Handgelenk festhalten müssen, gut umgesetzt werden. Aber diese Gruppe hat mich überrascht, da sie die Übungen gut umgesetzt hat.

Mein Auftreten war sehr bestimmt und ich habe ganz genau beschrieben, was ich gerne umgesetzt haben möchte. Neben dieser Partnerarbeit, habe ich eine Gruppenchoreographie angefangen, damit die Schüler/innen direkt erleben, wie es sich anfühlt zusammen eine Choreographie zu tanzen und sie körperlich herauszufordern. Ich glaube, dass besonders das Erlernen der Gruppenchoreographie für die Schüler/innen herausfordernd, wenn nicht sogar überfordernd war. Aber somit konnte ihr Ehrgeiz geweckt werden und sie haben schnell verstanden, dass die vielleicht am Anfang seltsam empfundenen Übungen nicht alles sind, was sie im Tanzprojekt erwartet. Der erste Tag war von meiner Seite sehr energiegeladen, um den Schüler/innen zu zeigen, wie ernst ich das Tanzprojekt nehme und von ihnen ebenso eine Ernsthaftigkeit verlange.

Am zweiten Tag habe ich an den vorangegangenen Sachen angeknüpft und direkt die Choreographie festgelegt. Aufgrund der knapp bemessenen Zeit konnte ich nicht viel Ausprobieren, sondern habe mein Fokus auf das Entwickeln des Stücks gelegt. Bei der Entstehung habe ich zuerst diejenigen wahrgenommen, die ein selbstbewusstes Auftreten haben, aber im Verlauf der vier Tage, sind mir ebenso die ruhigen und zurückhaltenden Schüler/innen aufgefallen, vor allem waren sie bei der Präsentation fokussierter und konzentrierter als die vermeintlich selbstbewussten. Im Stück werden zwei Schüler/innen einer Gruppe von anderen Schüler/innen getragen – das zu Entwickeln hat den Schüler/innen Gefallen, die Stimmung war gut und konzentriert.

 

Der Mittwoch war der Hauptprobentag, da wir die meiste Zeit zusammen waren. Die Gruppe war sehr konzentriert bei der Probe, vor allem haben die Schüler/innen sich zu der Choreographie geäußert, wenn etwas noch nicht gut lief und mit mir den Austausch darüber gesucht. Ebenso haben sie sich untereinander über die Reihenfolge der Bewegungsabläufe ausgetauscht und den langen Probentag trotz des warmen Wetters durchgehalten.

Am dritten Tag habe ich gespürt, wie das Stück allmählich zum Stück der Gruppe wird. Die Schüler/innen fingen an Verantwortung zu übernehmen und als jemand ausfiel, haben sich schnell andere bereit erklärt die Rolle zu übernehmen. Die Bewegungsabläufe und die Übergänge zwischen den einzelnen Gruppen wurden fließender und am Ende des dritten Probentages war ich sehr beeindruckt, wie schnell die Gruppe sehr viele Bewegungsabläufe umsetzen konnte und wie sehr die Gruppe intensiv mit mir geprobt hat. Am Tag der Generalprobe war ich sehr zuversichtlich, dass die Schüler/innen mit einem guten Gefühl die Präsentation abschließen können. Die Schüler/innen haben sich am Tag der Generalprobe mit mir darauf geeinigt, dass sie schwarzgrau und weiß tragen, damit sie einheitlich aussehen und diese Einheit nach Außen vermitteln.

Auf eine Präsentation hinzuarbeiten empfinde ich als wichtig, damit die Gruppe ein gemeinsames Ziel hat und sich zum Abschluss noch einmal zusammenfindet und gemeinsam das entwickelte Stück vorführt. Besonders diejenigen, die nicht an dem Tanzprojekt teilgenommen haben, haben am Tag der Präsentation wahrgenommen, wie die Gruppe sich durch das Tanzstück nähergekommen ist und gemeinsam etwas erlebt hat. Diese Erfahrung konnten die anderen nicht machen und vor allem den Applaus nicht genießen. Viele von den Schülern/innen waren nach der Präsentation erleichtert und stolz. Ich bin beeindruckt wie in kurzer Zeit die Gruppe zusammengewachsen ist und die Schüler/innen miteinander agiert haben. Diejenigen, die mitgemacht haben, haben ihr Hemmungen und vielleicht Zweifel überwunden, sich auf das Neue und Fremde eingelassen, was ich ganz großartig und wunderbar finde.

Cagdas Yüksel wurde als Redner im Rahmen der TEDx-Talks der Ruhr Universität Bochum eingeladen. Der nachstehende Link führt zum ausführlichen Bericht: Cagdas TEDx-Talk

Links ist der Videodreh zu sehen, in dem Alina und Cagdas Yüksel gemeinsam mit Oberstufenschülern den Film für den Crowdfunding Contest des Deutschen Intehrationspreises produzieren. Zu den ausführlichen Berichten: Videodreh am HUMA, #wirkönnenmehr

Wir gratulieren zu der erfolgreichen Sammlung von 10000 EU für #wirkönnenmehr!

Unmittelbar vor der nächsten Verleihung des Förderpreises der Neustiftung wird in der Aula wieder eine Veranstaltung mit Preisträgern der vorhergehenden Jahre und Schülern der Mittelstufe stattfinden. Hier besteht die Möglichkeit, sich über die alten und neuen Projekte der Preisträger zu informieren, Fragen zu stellen und sich inspirieren zu lassen.